Mittwoch, 11. Juni 2008

derLaden in CH-7250 Klosters = Drehpunkt des Projekts.

Ein ungewöhnliches Museum im Prättigau: ungewöhnlich die Verteilung seiner vierzehn Räume auf die vierzehn Gemeinden des Tals, ungewöhnlich vor allem, dass darin nicht ein abgeschlossenes Werk präsentiert wird, sondern work in progress, Kunst in ihrem Entstehen.
Die einzelnen Räume, die von je einer Künstlerin oder einem Künstler über Jahre hinweg betreut werden, sind als vernetzte Plätze im Kontext eines kontinuierlichen Forschens angelegt, in dem sich das Werk in Bewegung als Teil der sich ständig verändernden materiellen Welt begreift. Dabei beziehen die einzelnen KünstlerInnen das Publikum in ihren Arbeitsprozess ein, der sich interaktiv, dialogisch versteht und keinesfalls als die Aktivität eines einzelnen Menschen zu sehen ist. Die vierzehn Räume werden damit zu Orten visualisierter Kommunikation, zu einem Teil des Tals als Ganzem.
Peter Trachsels Initiativen haben in der Zeit ihres Bestehens einen erstaunlichen Rückhalt in der ländlichen Bevölkerung gefunden. Sie haben Ideen und Wahrnehmungen, die andernorts nur in elitären Zirkeln von Spezialisten diskutiert werden, unter Bauern, Handwerker und andere nicht spezifisch kunstorientierte Menschen gebracht.
Für Durchreisende dürften die vierzehn Räume eine Motivation schaffen, die Umfahrungen zu verlassen und zu Er-Fahrenden in einem Tal zu werden, das mehr ist als nur ein Zwischenraum auf dem Weg südwärts. Wer die Entwicklung des Werks über eine längere Zeit begleiten will, plant für seine Fahrten künftig vielleicht eine Prättigauer Pause ein.

Wesentlich zur Uebersicht beitragen wird der Knotenpunkt des Projekts, ein Laden, der vorerst ab 31. Mai für fünf Monate in der Galerie Tuchamid in Klosters betrieben wird. Je ein Meisterwerk der beteiligten KünstlerInnen, Bücher und CDs, Begegnungen, Gespräche, Wanderungen mit den teilgebenden KünstlerInnen und bekannten Kunst- und Kulturschaffenden, Wandzeichnungen und Wandmalereien für das Zuhause, gestaltende Eingriffe in Haus und Garten, kommunikative Projekte, Scarnuz Grischun, Weine, Postkarten, Teppiche und Böden bietet der Laden an, man trifft sich jeden Donnerstag zum Film, sporadisch zu Lesungen, jeden letzten Dienstag des Monats zu einem wunderbaren Essen.
Der Laden ist auf einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren angelegt, könnte als Drehscheibe jedes Jahr in einer anderen Gemeinde stationiert sein oder seine Bleibe im Passagenhaus Dalvazza finden.



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